| Projektname | Ökumenische Tschernobylhilfe Wegberg-Erkelenz |
|---|---|
| Gründung | 1994 |
| Vorsitz | Helene Schlicht |
| Kontakt | Helene Schlicht
Am Hof 18 41844 Wegberg-Rath-Anhoven Tel. 02431 4263 |
Die Hausfrau Helene Schlicht organisiert seit 1993 regelmäßige Erholungsaufenthalte für Kinder aus Weißrussland. Auch über 20 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sind die Beeinträchtigungen der Menschen in der Gegend enorm, Hilfe im Land ist nur schwer zu bekommen. Für die betroffenen Kinder bedeutet ein Aufenthalt in Deutschland ein Luftholen, das der körperlichen und geistigen Gesundheit sehr gut tut. 2006 erhielt Helene Schlicht das Bundesverdienstkreuz.

Ende 1993 war in meinem Heimatort Rath-Anhoven ein Kind aus Tschernobyl zu Gast. Es war sehr krank, und der Aufenthalt hier tat ihm offenbar sehr gut. Da sagte ich mir, es müsste gerade in einem katholisch geprägten Ort doch möglich sein, mehr Menschen zu finden, die bereit wären, ein solches Kind für eine kurze Zeit aufzunehmen. Ich habe die Idee publik gemacht, und siehe da, im Jahr 1994 waren es schon acht Familien, die ein Kind aufnahmen.
Im Prinzip arbeiten der Kassierer Josef Wirtz (Geilenkirchen) und ich als Vorsitzende allein. Ich bin als Beisitzerin im Neuss-Kaarster Verein Tschernobyl-Hilfe vertreten, die dortige Vorsitzende verstärkt der besseren Vernetzung wegen unseren lokalen Vorstand. Außerdem helfen einige mit, wenn die Transporte gepackt werden.
Einmal jährlich organisieren wir einen mehrwöchigen Aufenthalt für Kinder aus Weißrussland. Außerdem sind wir ständig dabei, Sponsoren zu finden, die die Fahrten erst ermöglichen. Zudem organisieren wir mehrfach im Jahr Transporte von Sachmitteln wie Kleidern nach Weißrussland.
In Weißrussland selbst unterstützen wir damit eine Schule und kinderreiche Familien. Auf der Rückfahrt nehmen wir Souvenirs mit wie Leinenware oder Matruschkas, die auf hiesigen Weihnachtsbasaren zugunsten unserer Aktivitäten verkauft werden.
Josef Wirtz organisiert auch, dass zwei besonders schwer erkrankte Kinder Spezialnahrung bekommen können. Sie dürfen nur eiweißfreie Kost zu sich nehmen, die in Weißrussland nicht zu bekommen ist. Seither geht es ihnen viel besser.
Es gab ein besonders einschneidendes Erlebnis für mich, als das erste Tschernobyl-Kind, das ich kennen lernte, die beinamputierte Olga, von Rath-Anhovener Schülern Geld für eine Beinprothese bekam. Das war eine ziemlich aufwändige Sache. Ich weiß noch gut, wie Olga zu Ostern mit dieser Prothese in den Gottesdienst kam und so glücklich war, selbst laufen zu können. Im Juni des gleichen Jahres ist sie dann gestorben. Der damalige Schulleiter Wendt sagte, "und wenn Olga mit dieser Prothese auch nur eine Stunde lang glücklich war, so hat sich der Aufwand dafür gelohnt." Dieses Wort begleitet mich seither und ich weiß, dass viele Kinder durch unsere Projekte glücklich waren, oft auch mehr als eine Stunde.
Einen größten Erfolg gibt es nicht. Ich bin immer wieder tief berührt über die Reaktionen der Kinder. Manchmal haben sie zuerst Heimweh, doch ihnen tut die Zeit hier in Deutschland so gut, dass viele schnell sagen, wenn sie mit ihrer Familie telefonieren "bei uns in Deutschland". Und wenn ein Kind zu mir "Mama Helene" sagt, ist mir das wichtiger als das Bundesverdienstkreuz.
Erstens: genug Spenden, damit auch weiterhin viele Kinder kommen können. Zweitens: dass die deutschen Behörden in Weißrussland nicht so viele Schwierigkeiten machen, zum Beispiel die Botschaft. Da haben wir oft mit bürokratischen Hindernissen zu kämpfen.
Im Juli erwarten wir die nächste Gruppe von Kindern aus Weißrussland. Außerdem werden mindestens noch drei Transporte nach Weißrussland stattfinden und unsere Basare, zum Beispiel in Wegberg-Beeck oder Wassenberg-Ophoven stehen ebenfalls wieder auf dem Programm.
Auch so lange Zeit nach der Reaktorkatastrophe sind die gesundheitlichen Folgen vor allem für die Kinder sehr schwerwiegend. Viele leiden unter Schilddrüsenerkrankungen und Immunschäden, es werden immer noch viele mit Behinderungen geboren. Eine Erholungsphase in unbelasteter Umwelt tut allen sehr gut, viele kehren gestärkt und gesünder nach Hause zurück. Hier in Deutschland benötigen wir dringend mehr Gastfamilien. Auch Geldspenden sind willkommen, denn die Transporte nach Weißrussland sind ziemlich teuer.